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Es wurmt mich

26. Januar 2012

Diese Nacht träumte ich:

Ich habe im Fußbereich zwei kleine Tiere unter der Haut. Sie sind so etwas wie Würmer (etwa 4 cm lang). Einer ist links und bewegt sich nicht. Der andere ist rechts und bewegt sich. Während er sich bewegt, tut das ein wenig weh. Es ist ein sehr unangenehmes Gefühl mit ein wenig Schmerz verbunden. Ich halte meinen rechten Fuß, als der Wurm sich bewegt und drücke sehr stark gegen die Haut. Der Wurm stirbt anscheinend, weil er sich dann nicht weiter bewegt. Ich möchte aber zum Arzt, weil ich Angst habe, mehrere Würmer zu haben.

Der Traum war sehr real. Als ich aufwachte, mußte ich meine Füße überprüfen, so überzeugt war ich, daß er real war. Als nächstes dachte ich an GL und an das gestrige Gespräch mit ihm, bevor er nach F. kam. Und dann kamen Erinnerungen an die Geschehnisse von gestern Abend, die wie ein Selbstläufer waren und mir den Schlaf der halben Nacht raubten. Mir war in der Nacht und auch noch am Morgen flau im Magen, als ob ich eine Nahrung geschluckt hätte, die ich nicht verarbeiten kann. 

Daß meine Füße im Traum betroffen sind, ist kein Zufall. Die Glieder, womit ich stehe, haben Fremdkörper unter der Haut. Etwas ist am falschen Platz. Ich habe nicht gelernt, mich abzugrenzen. Doch unterbewusst lehne ich etwas sehr stark ab, was ich im direkten Kontakt nicht in der Lage war, zu bemerken und auszudrucken. 

Ganz konkret bringe ich das in Verbindung mit dem gestrigen Gespräch mit GL, und auch mit den Gesprächen davor. Es hat mich unangenehm berührt und ging unter die Haut. Aber eben nicht der Ausdruck von Gefühlen. Ich könnte nie es jemandem übelnehmen, wenn er seine Gefühle mit Herzen und Seele fühlt und auch auszudrucken versucht — das ist genau das, was ich an Menschen am Wertvollsten finde. Ich bewundere es — und beneide es auch. Damit in Kontakt zu kommen ist letztendlich ein Geschenk: Es öffnet das Herz, anstatt es zu schließen. Es ist Licht, und nicht Schatten — auch wenn ich dann in Kontakt mit meinen eigenen Schwierigkeiten komme, selbst klar über meine Gefühle zu werden und sie auszudrücken.

Wir redeten über meine Schwierigkeit, mich zu involvieren. Das war sehr schmerzhaft für mich, aber dafür bin ich unendlich dankbar. Diese Schwäche kannte ich heimlich zwar, doch wagte nicht, mich näher damit auseinanderzusetzen. Es war wie eine Wolken aus Unklarheiten. Das Gespräch mit GL darüber war entlarvend und sehr hilfreich — so schwer es auch ist, die Wahrheit zu verkraften, die unter dem Eintrag Unbeteiligtheit beschrieben ist. Ich werde nie vergessen, mit welcher liebenswürdigen Art es mir gesagt wurde. Da war GL keine Sekunde lang lehrhaft, sondern sehr respektvoll, mitfühlend und absolut selbstlos. 

Doch das, was mir nicht recht ist und durch das unangenehme Gefühl der Parasiten in Traum wiedergegeben wurde, ist ein unterschwelliger Aspekt der Manipulation, der doch mitschwang. Es kostet enorme Überwindung, hier darüber zu schreiben, aber es ist das, was ich empfinde: GL blieb nicht bei dem Gefühlsausdruck, sondern, er redete auch über (seine Ansichten von) meine Verbindung zu Mi. und M. — und was daran falsch wäre. Ich habe ihm zugehört und war vor allem von seinem Gefühlsausdruck sehr gerührt. Aber die Einmischung kam nicht aus dem Herzen — und das traf mich. So eine Eimischung ist nichts anderes als blanke Manipulation. Die Träume, die ich hatte (auch mit dem blonden Mann neulich), deuten auf diese Unreinheit. Ich fühlte mich in gewisser Weise betrogen und ausgenutzt. Ich habe in dem Moment keine Stellung bezogen. Es war mir auch nicht klar — und ich vermute, daß ich auch Schuldgefühle hatte, es offen auszusprechen (sehr schnell falle ich bei GL in die Musterschülerin Position). Aber mir wurde es heute klar, warum ich die (Alp)Träume hatte und wie verletzend die Wirkung von falschen Nebenaussagen in einem Moment des Vertrauens sein kann. 

Ich erinnerte dann auch an eine Situation mit M., bei der ich selbst diesen Fehler machte. Ich sprach von seiner Freundin und mischte mich manipulativ ein (sie würde ihn bewundern und nur deswegen war er mit ihr zusammen). Und genau das ist nicht in Ordnung. Es kommt nicht aus dem Herzen. Es hat mit Ansprüchen zu tun. Das Herz will die Gefühle ausdrücken, aber etwas anderes in einem will doch dafür belohnt werden und zielt rücksichtslos auf “Feinde”, die das verhindern könnten. In der Offenheit ist die gefährlichste Waffe eben Manipulation. Und genau das ist es, wenn jemand meint, mehr über die Verbindung zwischen zwei Menschen zu wissen, als diese selber. Noch genauer: wenn jemand wagt, das jemandem anderen zu erzählen, und als die Wahrheit zu verkaufen, und das in einem Moment der Auslieferung und des Vertrauens, dann ist das nicht in Ordnung. Da ist ganz schnell Schluß mit dem Geben, und die Offenheit wird schlichtweg ausgenutzt, um einen imaginären“Krieg zu gewinnen”. 

Das Herz kennt aber keinen Krieg. Das ist keinesfalls berechtigt, sondern Betrug. Es stimmt eben nicht, daß in der Liebe und im Krieg alles erlaubt ist.  

Hier wurmt es mich und ich werde das GL auch persönlich sagen.

- – -

Eine Reihe von Gedanken, die sich bei mir diese Tage meldeten: Ich hatte vorher, mit einfachen Worten ausgedruckt, ein ‘Schüler-Lehrer-Verhältnis’ mit GL. In den letzten etwa 4 Jahren, ist er bestimmt einer der einflussreichsten Menschen in meinem Leben gewesen. Auch einer, den ich sehr tief liebe und schätze. Nach der Auflösung der Phönix-Schule, war er nicht mehr mein Lehrer, aber genauso wichtig — ein Freund, der mich inspirierte und mir immer wieder viele neue Sachen durch bloß seine Art zeigte (angenehme und unangenehme). Ich durfte ihn auch manche Sache zeigen — da funktionierte etwas, was eine eigene Dynamik hatte, wie Magie.

Als er sich verliebte, verwirrte mich das im ersten Moment. Ich konnte aber mitfühlen, obwohl nicht auf der gleichen Art wie er. Ich sagte ihm, daß ich keine erotische Anziehung für ihn empfinde, machte aber klar, daß der Kontakt wichtig und bereichernd für mich ist, wie kaum ein anderer — und das weiß er. Ich war offen dafür, daß er mich nach der Abgabe der Arbeit besucht und hatte keine weiteren Probleme damit. Daß ich in den letzten Monaten mich gegenüber Mi. immer mehr zu öffnen versuche, habe ich ihm auch gesagt. Darüber schrieb ich hier im Blog zwar nicht, es ist für mich aber klar, daß da eine ganz natürliche Verbindung besteht, und diese möchte ich mir weiter anschauen. 

Doch womit ich am meisten in den letzten Wochen wieder in Kontakt komme, ist zu wissen, daß ich nun alleine da stehe. Ich bin auf mich zurückgeworfen: es geht nicht ums Reagieren, sondern darum, was ich selbst empfinde und möchte. Daß das bei mir sehr zart und unklar ist, ist zwar schmerzhaft, da ich gerne wie andere mich festlegen würde, es ist aber das, womit ich zu tun habe. Es ist falsch, hier Druck zu machen und die Schwäche schnell entfernen zu wollen. Das Beste, was ich machen kann, ist weiter ehrlich bleiben und niemanden belügen. Vor allem mich selbst nicht. Hier bin ich alleine. Nicht nur bei meinen Gefühlen, sondern auch bei der ganzen Schwäche, mich nicht erden zu können und das ständige Erleben als bloßer Adressat. Keiner, der das selbst nicht kennt, kann nachvollziehen, worum es hier eigentlich geht. Auch die Motive, die dahinter stecken, bleiben für andere absolut fremd — so klug sie doch sind, so viel Erfahrung sie doch haben und alles durchzuschauen meinen.

Wenn es bei anderen um das Auflösen der Selbstständigkeit geht, geht es bei mir um genau das Gegenteil: mich von den Ideen, Bewertungen, Idiosynkrasien anderer zu lösen, und bei mir zu schauen, was hier überhaupt da ist. Mich auch für den Ausdruck der Gefühle anderer zu öffnen, aber ohne die Ehrlichkeit über meine eigene Gefühle zu verlassen. Dabei hilft mir Mi. sehr, indem er nicht angreift, sondern Geduld hat und zuhört. Er bekommt es mit, wie schwer es mir fällt, meine Gefühle zu zeigen — und wie sehr diese von Angst voreingenommen sind. Und doch erschreckt er nicht. Das ist sehr wertvoll und hilft mir sehr, auch wenn ich hier darüber noch nie zuvor schrieb.

In Traum druckte ich den Wurm gegen meine Haut, um ihn zu töten. Genau das ist die Richtung: Ich möchte mich von dem abnabeln, was nicht zu mir gehört.   

Mi.s Empfehlung, meine Kraft für mich aufzuwenden und den Endspurt der Dissertation, werde ich befolgen. Ich werde auch allen Menschen, die Ansprüche an mich und meine Aufmerksamkeit stellen, konsequent eine Absage geben — außer ich merke daß es mir hilft und stärkt.

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