Zurück

2009 November 10
by Daniela

Als ich heute mit dem Fahrrad durch die Stadt fuhr, war ich innerlich ganz froh, wieder hier zu sein. Die kühle Luft und der Nebel kommen mir ganz vertraut vor, obwohl die Finger und die Ohren fast weh tun, so kalt es ist. Etwas schmeckt hier nach „nach Hause kommen“. Das Leben in SP die vergangene Monate war sehr beschäftigt. Es gab wirklich viel in der große Stadt zu tun, vorallem wegen der Doktorarbeit. Ich habe mich oft dabei selbst vergessen und bin nur hin und her gerannt. Es ist fast erschreckend, daß es mir kaum gelang, in B. bei mir selbst zu sein – es scheinte mir viel schwerer, bei so vielen Beschäftigungen und Ablenkungen mich an meinem Selbst zu erinnern. Das liegt bestimmt daran, daß ich so unglaublich empfänglich bin und mich auf Äußerlichkeiten fixiere. Mehrmals hatte ich in SP den Eindruck, das Leben von jemandem anderen zu leben (die alte D.) – dieser Eindruck war sehr erschreckend, ich hatte den aber sehr deutlich gehabt. Sobald ich wieder mit den Tätigkeiten mich identifizierte, vergaß ich es – es kam aber leise zwischendurch wieder hoch.

Das Zurückkommen nach D. öffnet bei mir eine neue Tür nach Innen. Es schmeckt viel mehr nach meinem eigenen Leben.

Beim Konfigurieren meines neuen Laptops habe ich genau das gespürt. Ich würde normalerweise nach Hilfe fragen und zu faul sein, um alleine durchzukommen. Ich überwand aber heute diesen ersten Impuls und versuchte, allein die Schritte auszuarbeiten. Ich besuchte Foren im Internet, probierte verschiedene Wege aus. Dabei entdeckte ich neue Sachen, die mir Spaß gemacht haben. Die übliche Angst, die Sache allein nicht zu schaffen, war heute leiser als sonst. Auch wenn ich 3 Stunde für etwas brauchte, was ein Programmierer in einer halbe Stunde machen würde, empfand ich dabei ein Geschmack, daß es so stimmt und einen echten Wert hat. Das hat etwas mit dem Prinzip der Bezahlung zu tun – den ich üblicherweise auszutricksen versuche.

Diesen Hauch Selbständigkeit wirkte auch bei einem Gespräch, das ich mit einer Freundin per Internet hatte. Sie weinte, weil ihr Cousin vor zwei Wochen sich erhängt hat und ihr Onkel gerade vor dem Tod im Krankenhaus liegt. Üblicherweise würde so eine Geschichcte mein Tag völlig umdrehen und ich würde danach an gar nichts anderes denken können. Heute war es anders. Ich war sehr traurig darüber, daß die Frau ihres Cousin gerade Schwange ist und nicht mehr weiter weiß. Es tat mir auch wirklich leid, daß ihr Onkel durch so viele Schmerzen vor dem Tod geht. Ich konnte ein Teil seiner Schmerzen für einen Moment wirklich fühlen, obwohl ich ihn kaum kenne. Nachdem wir uns verabschiedeten, war aber diese Traurigkeit völlig weg. Jetzt, während ich darüber schreibe, berührt mich das ganze nicht mehr. Ich weiß von mir.

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