Schlechte Laune aushalten
6.11.2009
Gestern, während ich spät Abend schrieb, habe ich erahnt, wie identifiziert ich mit der schlechten Stimmung war. Ich war aber zu faul, um meine Lage anzuschauen – es war leichter, in die schlechte Stimmung hineinzutauchen. Obwohl es mir inzwischen klar ist, daß Stimmungsbeschreibungen in einem Selbsterkenntnis-TB nichts zu suchen haben, schrieb ich gestern völlig in dieser Stimmung gefangen, als ob ich gar keine andere Alternative gehabt hätte. Das war unehrlich von mir. Die Alternative gibt es immer, jederzeit, stets. Ich kann jederzeit meine eigene Lage anschauen – wenn ich anders behaupte, dann ist es nichts anderes als eine üble Lüge.
Gestern, nachdem ich das Computer ausgeschaltet habe, konnte ich nicht von meiner schlechten Laune weglaufen. Ich versuchte sogar, eine Zeit lang durch körperliche Bewegungen die Stimmung zu verändern, es klappte aber nicht. Der Druck war vorallem in den Augen und im Stirnbereich. Fast zufällig wurde es mir klar, daß ich nichts dagegen tun musste. Das Tun verschmlimmerte in dem Fall die Lage. Es blieb dann nichts mehr übrig, als die schlechte Laune zu ertragen – ohne zu kapieren, wo es her stammte. Das Aushalten bewegte was in mir. Ich war nachher nicht gut gelaunt oder Ähnliches, war auch nicht weniger gestresst oder gar zufrieden (alle diese Zustände scheinen mir unpassend).
Ich existierte einfach, mit all dem zusammen, was ich gerade wahrnahm.