Traum von pubertären Handlungen

2009 Juli 31
by Daniela

Ich bin in einem Haus mit anderen Menschen und habe ständig den Eindruck, daß woanders interessantere Sachen passieren. Ich bin ganz unruhig, obwohl es schon spät ist und alle müde sind. Wir sitzen alle auf der Couch.

Plötzlich erinnere ich mich, daß meine Schwester heute ein Konzert hat. Ich springe aus der Couch, renne ins Zimmer und fange an, mich für das Konzert anzuziehen. U. ist auch da und schaut mich an. Er sagt, daß das Konzert um die Uhrzeit schon längst vorbei sein wird. Er sagt auch, daß er sehen kann, wie unruhig ich bin und auch müde.

Er hat Recht. Ich möchte aber trotzdem hin.

Nachdem ich mich bekleidet habe und den Schlüßel in der Hand habe, merke ich, daß ich Frauenschmerzen habe. Ich tue es so, als ob ich keine Schmezen hätte. Es tut aber plötzlich ziemlich weh. Ich bin enttäuscht und merke, daß es eigentlich vernünftiger wäre, gleich ins Bett zu gehen. Ich bin aber zu stur, um jetzt aufzugeben, auf das Konzert zu fahren.

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Dieser Traum weist mich auf meine Pubertät hin. Sturheit und Unruhe durchdringen den ganzen Vorgängen. Ich habe irgendwelche Phantasien im Kopf, die ich blind nachrenne. Dabei ist auch viel Hektik und Oberflächlichkeit zu spüren. Ich meine, woanders etwas zu finden, was hier fehlt – und renne wie eine verrückte durch die Welt danach, auch wenn mein Körper mir mehrere Signale gibt, daß ich meine Energie dabei völlig verschwende. Sogar trotz körperlicher Schmerz, bin ich stur und verbissen und mache den Unsinn weiter, bis es nicht mehr geht. Dabei lebe ich ständig in einem Provisorium, wo nichts Echtes entstehen kann, sondern nur eine unendliche Reibung von verschiedenen Ichs, die meine ganze Lebenskraft saugen. Ich weiche ständig aus und betäube mich mit Oberflächlichkeiten. Das schwache Immunsystem ist ein Fingerzeig darauf.

Ich habe nicht gedacht, daß dieser Hauptzug so stark wäre. Der Traum und mein innerer Zustand zeigen aber anders. Es muß so klar wie möglich gesagt werden: Ich sehne immer nach einer Position, aus der heraus ich viele Handlungsmöglichkeiten habe und verschiedene Wege einschlagen kann. Alles was mich festnagelt, verbinde ich mit Freiheitsverlust. Ich bewege mich im Leben wie eine Jugendliche.

Es ist klar, daß mein Verständnis von Freiheit völlig verdreht ist und viel mehr mit Konsum als mit etwas anderem zu tun hat.

Als ich mit S. die letzte Male telefonierte und ihre Zukunftsspinnereien hörte, war mir glasklar, wie sehr sie ihre eigene Verantwortung ausweicht und sich wie eine Teenie benimmt. Ja, bei anderen kann ich das immer gut sehen, nur bei mir verdecke ich die Wahrheit noch ständig mit einem Berg aus Puffern und Ausreden.

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Es gibt auch noch einen Punkt, den ich bislang nicht ausgesprochen habe, weil er mir wegen der Identifikation so unklar war: Ich bin süchtig nach Emotionen. Das mag vielleicht komisch klingen, diese Verdrehung ist aber da. Durch Emotionen fühle ich mich sozusagen „lebendig“, deswegen suche ich und pflege ich sie. Ich versuche durch Emotionalisierungen „zu existieren“, indem ich mich in einer bestimmten Emotion hineinsteigere und sie künstlich aufbausche. Wenn ich das ganz klar ausdrücke, dann ist es nichts anderes als der Vorgang der Selbstbefriedigung – eine emotionelle Selbstbefriedigung.

In den letzten Tagen, habe ich ständig den Eindruck gehabt, verliebt zu sein. Es ist schon klar, daß nicht alles in diesem Zustand unecht ist, es gibt aber ganz viel, was ich künstlich bastele und daraufbaue. Es ist so, daß die Tagträumereien jetzt damit gefüttert werden. Ich spiele mit Gedanken und Zukunftsbildern und verhafte mich in Projektionen. Manchmal kann ich diesen Vorgang beobachten. Wenn ich ihn beobachten kann, fallen die Phantasien sofort weg. Es ist sogar erstaunlich, wie schnell sich ein Sandschloß an der Luft verdünsten läßt.

Diese Neigung nach Emotionalisierungen ist auch ein Fingerzeig auf meinen pubertären Zustand. Es tut gut, das jetzt klarer zu beschreiben.

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