Aufrichtigkeit

2009 Juli 27
by Daniela

Die nächste Fabel Attars handelt von Tamazi, der stolz erzählt, er würde die zwei Sachen, die er in seinem Leben am meisten liebt, sein Sohn und sein Pferd, verschenken. Attar antwortet, daß nichts über das Reinwerden vor der Menge gesagt werden sollte: Das ist reine Eitelkeit. Über Aufrichtigkeit zu prahlen, versperrt die Sicht. Lieber immer sich anstrengen, sich zu sehen, wie man ist. Aufrichtigkeit ist tun, und nicht reden: Es passiert nur innerlich, ganz tief drinnen. Darüber zu reden ist sinnlos.

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Hierzu fällt mir auf, daß die Bewältigung aller Aufgabe der inneren Schule, auch wenn es äußerlich nach Aufrichtigkeit ausehen mag, noch weit entfernt von Aufrichtigkeit ist. Die Wirkung der Schule passiert leise und sehr intim – darüber laut zu reden, würde die Feinheit der Wirkung zerstören. Sie hat mit der Bereitschaft zu tun, die bisherige Interessen und „sichere Häfen“ zu verlassen, um sich für einen weiten Ozean zu öffnen, die man bislang nur kaum kennt. Mit diesem weiten Ozean ist nicht Beglückung und Wohlergehen gemeint, sondern das Aushalten der Stille.

Während ich noch nach Wohlergehen suche, kann ich keine echte Bereitschaft für die Stille in mir entdecken. Die Stille ist da, wo ich nichts mehr bauen kann. Die Stille ist da, wo ich nichts mehr verändern und verzerren kann. Diese Stille ist notwendig und sie hat überhaupt nichts mit Mögen und Beglückung zu tun. Sie ist neutral und unpersönlich – so neutral, daß alles stirbt, wenn sie da ist.

Erst wenn sie da ist, geschehen Sachen innerlich und nicht mehr nur rein äußerlich. Nur das ist Aufrichtigkeit. Alles andere hat eine Färbung und ist nur Allegorie.

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