Präsenz und das Loslassen des Selbstbildes
Die heutige Lektüre Attars Buch geht ums Loslassen der Identifikation mit den „Dingen der Welt“. Hiermit ist nichts Esoterisches gemeint, sondern etwas ganz Konkretes und jederzeit Zugängliches: das Loslassen des eigenen Selbstbildes, der Wünschen, der mechanischen Blockaden, der üblichen Sorgen, der gewohnten Vorstellungen, der Erwartungshaltungen, der gedanklichen Tagträumereien, der Problematisierung, etc. (in anderen Worten: die Liebe zur Präsenz). Erst wenn ich mich von Altem löse und in der Gegenwart lebe, wird Platz für Aufmerksamkeitsenergie und Selbsterinnerung geschaffen.
Weiterhin sagt Attar, daß Aufrichtigkeit schwieriger ist als normalerweise angenommen. Diese selbe Aussage steht im O.s Buch. Es ist schwieriger als angenommen, weil es in der Theorie allein nicht funktionieren kann. Es ist nur durch das Sein, daß der Weg sich öffnet. Es nützt nichts, das Wissen zu konsumieren und mit dem Kopf durchkauen zu wollen. Es ist nötig, es mit aller Hingabe umsetzen zu wollen, leben zu wollen. Aufrichtigkeit heißt nichts anderes als das wahre Interesse an Selbsterkenntnis.
- – -
Heute bekam ich schriftliche Materialen der Schule. Der Rundbrief, der um Präsenz geht, hat mich am meisten berührt. Da steht: „Präsenz taucht dann (aber erst dann, nach erfolgten Vorbereitungen) plötzlich in Momenten auf, wo wir sie gar nicht erwartet hätten. Sie hat ihre eigene Logik. Sie unterliegt nicht unserer Willenskontrolle. Sie ist ebenso ein Resultat des Loslassens wie des anstrengendes Wunsches nach Erwachen.“
Dieser Inhalt hat unmittelbar mit der heutigen Lektüre zu tun. In Katja Föllmers Übersetzung Attars Buches steht: „Wenn du in dem Gefängnis nicht lange sitzen kannst, dann löse dich von allem, was da ist.“ Attar meint damit: Wenn Du Präsenz wirklich willst (mit dem Herzenswille), löse Dich von allem, was Dich davon abhält.
Langsam verstehe ich, warum Präsenz die Basis für alles ist. Erst die Erfahrung von Präsenz ermöglicht, daß ich die Abnahme meines falschen Selbstbildes wirklich zulasse und mein Herz für die Wirkung der Schule öffne (sowas geschieht aber nicht durch sturen Konsum, sondern durch Demut und echten Willen).