Inneres Sich-Richten und Verständnis von falscher Reibung

2009 Juni 30
by Daniela

Gestern war ich bis spät in der Uni und konnte nicht gleich schlafen, als ich nach Hause kam. Das Frühaufstehen heute war nicht möglich. Ich hatte einen intensiven Traum:

Ich bekomme einen Besuch von GL. Ich bin froh darüber und genieße seine Gegenwart. Während des Gespräches merke ich, daß GL meine Gedanken lesen kann. Ich sage kein Wort; die Kommunikation geschieht nicht durch die Sprache. Ich bin sehr aufgewühlt und erstaunt, daß dieser Grad von Intimität überhaupt möglich ist.

Wir kommen uns nahe. Jede Bewegung fühlt sich so an, als ob ich am Rande eines Abgrunds stehen würde. Bislang hatte ich nie so viel Angst und so viel Mut gleichzeitig gespürt. Die Lebenskraft fliesst durch alle Adern und ich nehme sie wahr, als ob ich sie für das erste Mal kennenlernen würde. Die Absurdität der Situation schickt mir zu einem Zustand, wo ich nichts mehr weiß oder kontrollieren kann. Ich bin erstaunt über die Natürlichkeit des Momentes und wie alle meine Tabus, eins nach den anderen, gebrochen werden. Die unendliche Liebe bricht alles nieder.

Für eine Sekunde wird die Angst richtig riesig. Ich versuche „zurück“ zu kommen, da wo ich die Gegebenheiten kenne. Dieser Versuch zeigt sich während eines Kusses, als ich mich spalte und frage, ob ich alles „richtig“ mache. Als ich das merke, fühle ich mich falsch und leer. Ich werde über mich selbst enttäuscht und mache mir Vorwürfe, die Feinheit des Moments zerstört zu haben.

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Als ich aufwachte, verstand ich tiefer, was Inneres Sich-Richten heißt. Es geht immer um Kontrolle… es basiert sich auf den Versuch, das Bild, das nach Außen präsentiert wird, in irgendeiner Form, je nach Kontext, anzupassen. Je „wichtiger“ das Ich das Umfeld schätzt, desto größer ist die Angst, dieses Umfeld zu enttäuschen, dem nicht gewachsen oder dafür nicht vorbereitet zu sein. Das Ich sieht die Wahrheit als „nicht gut genug“, oder als „nicht konkret genug“ oder als „bedrohlich“ und versucht ein Bild zu konstruieren, das mit der Realität besser umgehen soll, als die Realität selbst.

Wie angenehm, unangenehm, absurd, bedrohlich, sicher oder bekannt eine Situation ist, spielt überhaupt keine Rolle. Sobald die Maschine die Situation nicht kontrollieren kann, meldet sich einen Sicherheitsalarm, um den „Stromausfall“ zu hindern. Es ist tatsächlich egal, ob die Situation mit der man zu tun hat, ‘positiv’ oder ‘negativ’ geladen ist, diese Maschine wird immer versuchen, dazwischen zu schalten und die Kontrolle zu übernehmen.

Das wußte ich aus der Lehre G.s. Trotzdem hilft es, den Mechanismus mit eigenen Worten nochmal zu beschreiben. Darüberhinaus gibt es einen anderen Punkt, der bei weitem mir wichtiger zu sein scheint: So mechanisch diese Vorgänge sind, brauche ich mich nicht darüber zu ärgern. Die falsche Maschine zu schimpfen und zu schlagen, erzeugt die „falsche Reibung“, durch die zwei Kräfte, positiv und negativ, miteinander zu streiten anfangen. Dieser Kampf kann unendlich stattfinden, der bestätigt nur das Ich, das daran fixiert ist, Kontrolle auszuüben. Hier kann die Antwort nicht liegen, nicht in der Reibung.

Nur da, wo keiner Anspruch nach Kontrolle ist, bin ich. (Alles andere ist Überbau und pauschalisierte Persönlichkeits-Überlebensmechanismen.)

Diese Kontrollansprüche scheinen mir, eine Sucht zu sein. Nur wenn sie aufrichtig beobachtet werden, passiert etwas Neues.

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