Krisenvorsorge-Stammtisch
Gestern habe ich an einem Krisenvorsorge-Stammtisch in München teilgenommen. Da meine S-Bahn eine Verspätung hatte, erreichte ich die Veranstaltung leider nicht rechtzeitig. Als ich den Raum betrat, war der Organisator des Stammtisches (Herr Spannbauer) dabei, eine Frage zu kommentieren. Seine Kommentare wirkten ernüchternd, nachvollziehbar und ziemlich bodenständig auf mich. Die Grundstimmung der Verantstaltung gefiel mir gut. Es ging gar nicht darum, ein “Publikum” mit fertigen Antworten zu füttern oder in irgendeine Richtung zu lenken, sondern um das Schaffen eines Raumes für Austausch und Dialog, in dem die Leute miteinander reden und Anregungen über die Krisenthemen teilen können. Seine Frau war auch anwesend und wirkte genauso bodenständig, als sie z.B. davon erzählte, wie sie jetzt viel Neues bzgl. der Ernährung ihrer Familie ausprobiert (z.B. woher bekommt man gesundes Essen ohne von der Versorgung durch Supermärkte komplett abhängig zu sein?).
Ich fand vor allem gut, daß sich nicht in philosophischen Diskussionen verzettelt wurde, sondern meistens versucht wurde, über grundlegende und konkrete Fragen zu reden – mit denen jeder früher oder später konfrontiert werden wird (”Welche Möglichkeiten habe ich, die finanzielle Vorsorge meiner Familie zu sichern? Wie sichere ich meine persönliche Versorgung?”, etc.) Ich erinnerte mich, daß ich mit großer Ablehnung auf solche Fragen reagierte, als ich mir das erste Mal Gedanken über die Krise gemacht habe. Sie wirkten erstmal ‘egoistisch’ auf mich, als ob einer der sich sowas fragen würde, nur an sich selber denken würde. Langsam merkte ich aber, daß diese “moralischen” (christlichen) Gedanken von Egoismus etwas Faules an sich hatten. Ich wußte nicht was, aber etwas daran schmeckte verkehrt. Langsam wurde es mir klar: Diese Gedanken sind auf Ablehnung und Verdrängung gebaut und springen an, wenn ich aus einer urteilenden, passiven und ängstlichen Position werte. Dahinter steckt vor allem Angst vor Veränderungen und vor meiner eigenen Verantwortungsübernahme. Dagegen schmeckt die Welt plötzlich ganz anders, wenn ich das Thema des Überlebens nicht mehr mit düsterer Brille anschaue, sondern einfach nüchtern und realistisch, ohne etwas zu verleugnen. Plötzlich wird klar, das es die natürlichste Sache der Welt ist, sich mit der eigenen Existenz auseinanderzusetzen, wenn das Gefühl eintritt, das sie nicht mehr gesichert ist. Die Möglichkeit der Veränderung nicht mehr als Bedrohung zu sehen, sondern als Chance und als Einladung, ist irgendwie befreiend. Dieses Annehmen machte mir im ersten Moment Angst, aber in einem zweiten Moment spürte ich eine helle Lust, etwas selbst zu bewegen und zu machen, anstatt mir katastrophale Szenarien auszumalen und zu bewerten.
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Im ersten Teil der Veranstaltung wurde ich manchmal skeptisch. Ich fragte mich, inwiefern die Anwesende etwas von sich aus einbringen wollten. Ich war skeptisch, ob nicht doch die meisten mit einer unbewußten konsumierender Haltung zu dieser Veranstaltung gekommen waren. (Mit konsumierender Haltung meine ich die Haltung derer, die heimlich denken: “Ach ja… Da draußen sind genügende intelligente Leute, die gute Lösungen gegen die Krise finden werden. Ich brauche ihnen nur folgen und es wird alles gut“). Dabei überprüfte ich meine eigene Haltung. Ich merkte: Ich habe wirklich Lust, mich ernsthaft einzusetzen und die Gelegenheit zu nutzen, um meine Kreativität im Gang zu setzen, anstatt passiv auf Lösungen anderer zu warten.
Schon während der Pause wurde es klar, daß mehrere die dort waren, genau dieselbe Lust hatten. Ein Netzwerk zu bilden mit Leuten aus unterschiedlichen Hintergründen kann doch nicht schlecht sein. Und über die Krise zu reden tut gut, weil sich durch den Austausch viele Vorurteile und Schwierigkeiten verlieren, die am Anfang als absolute Wahrheiten im Kopf herumschwirren.
In kleineren Kreisen entwickelten sich interessante Gespräche. Der Raum war plötzlich nicht mehr von Angst, Zweifel oder Skepsis erfüllt. Stattdessen wuchsen langsam Offenheit und Kreativität. Eine Frau lud mich z.B. ein, sie in einen Wald zu begleiten, um etwas über essbare Wildpflanzen zu lernen. Mit zwei Herren entwickelte sich auch ein nettes Gespräch, wo einer davon erzählte, wie er irgendwann die Karriere in einer Firma aufgegeben hat, um auf eigenen Beinen zu stehen und die Welt in ihren vielen Möglichkeiten zu entdecken. Für ihn ist die Krise nicht nur ein “Monster”, das alles zerstören wird, obwohl er natürlich auch Angst hat, sondern eine Gelegenheit um Neues zu lernen und bei sich selbst zu entdecken.
Langsam zeichneten sich 3 Themen ab, die die Teilnehmer zwischen sich in kleineren Arbeitsgruppen bearbeiten wollen. Die Ergebnisse solcher Arbeitsgruppen wollen wir am nächsten Stammtisch präsentieren/miteinander teilen. Ich freue mich schon.
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Eine Sache beschäftigt mich noch. Ich bin immer noch erstaunt, wie wenig Menschen sich für solche Initiative interessieren. Wenn man die Wirtschaftslage sieht und weiß, daß so ein Stammtisch in einer Stadt von der Größe Münchens nur 40 Teilnehmer zusammenbringen kann, ist das schon erstaunlich. Das war jetzt der 3. Stammtisch. Anscheinend gibt es mehrere Teilnehmer die nur einmal zum Schnuppern gekommen sind und dann nicht wieder. Ich glaube, daß soetwas passiert, weil viele das Interesse schnell verlieren, sobald sie bemerken, daß sie nicht alles vorgekaut bekommen, sondern selber arbeiten und Kraft einsetzen müssen.
Tja, wie Herr Spannbauer gesagt hat, man kann niemand dazu zwingen. Entweder hat man Lust und will die eigene Kraft an etwas Sinnvolles einsetzen oder hat man keine Lust und wartet bequem bis “es nicht mehr geht”. Leider gehören die meisten zu der zweiten Gruppe.
etwas Faules
Vielen Dank für die Wiedergabe Ihrer Eindrücke unseres Stammtisches. Ich sehe dies genauso wie Sie und denke, hier finden sich einige interessante Menschen und ich freue mich auf den weiteren Kontakt mit ihnen. Einige scheinen weniger tun zu wollen und manche kommen sicher auch nicht wieder, aber so ist es im Leben. man muss einfach etwas sieben und dann findet man die richtigen.
Uns macht es Spaß und wir wollen hier etwas auf die Beine stellen und die Krisenvorsorge mit anderen bewerkstelligen.
Hallo,
falls mal wieder ein Krisenvorsorge-Stammtisch ist, würde ich gerne teilnehmen. Netzwerke in der Krise sind (fast) Gold wert.
Sandra
ich habe schon lange vor, spannbauers stammtisch zu besuchen. werde wohl allein hingehen.
in meinem umfeld gibt es nur ignoranten, die glauben alles geht immer so weiter wie bisher,
ich habe mir auch meine gedanken gemacht welchen beitrag ich in einem netzwerk leisten
könnte u würde vermutlich gute karten haben. als alleinerziehende mutter bin ich wiederum
auch auf andere in der krise angewiesen. bisher habe ich heimlich sämtlichen empfehlungen
zufolge ein krisenlager eingerichtet u sogar ackerland gekauft. manchmal ziehen mich die
befürchtungen runter aber in der regel plane ich detailiert u mit gesundem realitätssinn.
allerdings weiss ich, dass ich die angst vor schutzlosigkeit für mich als frau u einem kleinen
kind nicht einfach überwinden kann u entsprechende vorkehrungen treffen muss. deshalb habe ich z.b. vor 2 jahren begonnen nur noch männliche mieter ins haus aufzunehmen. gut, dass ich den beitrag hier gefunden habe. ausser meinem osteurop.
au-pair versteht mich niemand.
danke! safira
Ich mache mir auch schon seit 1-2 Jahren Gedanken über unsere Zukunft. Erstmal kritisch nachgedacht über unser Finanzsystem habe ich bei der Asienkrise. Wie kann innerhalb von Stunden und Tagen so viel Geld vernichtet werden? Da frage ich mich, ob nicht auch noch viel mehr Vermögen vernichtet werden kann. Dies hat in mir dann die Gedanken zur Krisenvorsorge reifen lassen. Ich denke in den nächsten 1-2 Jahren, werden wir dies auch dringend benötigen. Im Jahr 2010 werden wir sicher eine weitere Verschärfung der Finanzkrise hin zu einer Wirtschaftskrise beobachten können.