Die Falle der Doppelsichtigkeit

2009 April 5
by Daniela

GLs und C.s Hinweise haben mich endlich erreicht. Ich bin froh und wahrlich dankbar. Das Blockieren, auch wenn es wegen Ungeschicktheit und Naivität stattfindet, ist ein trister und verzweifelter Versuch, die falsche Persönlichkeit aufrechtzuerhalten. Während diese Haltung herrscht (und leider gibt es Tausende Art und Weise, wie diese Haltung sich für aufrichtig an das Ego verkaufen kann), passiert gar nichts Neues: Der aller erste Impuls nach Selbsterkenntnis wird von Anfang an abgekappt und schon hat das Ego seinen Sieg. Diesen trotzigen Verhalten hatte ich gestern in FF. Es tut gut, das jetzt anzusehen.

Die Hinweise in FF deuteten auf meine Doppelsichtigkeitsmasche hin, die z.B. bei dem Eintrag „Abendessen“ vorkommt. Die Spaltung in 2 Danielas, in dem eine sich distanziert und von hoch oben die andere bewertet und urteilt, ist eine Ablenkungsmanöver. Das ist ein viel wichtiger Punkt, als ich vorher geahnt habe. Hier muß ich tiefer gehen (ich möchte nicht den Fehler von G. wiederholen). Wenn diese Position angenommen wird (und das schlimmste daran ist, daß man sich mit dem Verstand zunehmend verstrickt und die innere Stimme unbarmherzig auslöscht), kann nichts mehr mit Leib und Seele gespürt werden. Man hat für sich einen dichten und harten Panzer angeschafft, den die Berührung zu Ehrlichkeit nicht nur hindert, sondern sogar als Feind und als Drohung behandelt. Das einzige was übrig bleibt, ist der miserabel Ausweg, einen angenehmen Platz für sich im „Sicherheitsbereich“ zu schaffen, wovon man echte Instrumente (z.B. das Tagebuch, die Austauschsplattaformen, der Wortschatz der Schule, Hinweise des Lehrers und Teilnehmer) in starren Konzepten und selbstgeschaffenen Regeln umwandelt und heuchlerisch die Welt und vorallem sich selber veurteilt und degradiert. Dabei tötet man sich täglich, nach und nach, bis man sich zu einem Zombie gemacht hat. (Das ist hier keine Übertreibung.)

Diese Position ist noch tausend mal schlimmer als die des Mitläufers; weil dieser wenigstens keine Ahnung hat, wie mechanisch und automatisch er ist. Aber der, der das Wissen hat und trotzdem sich für den Selbstbetrug entscheidet: Der liebt die Wahrheit nicht, wie er groß und laut behauptet, sondern hasst sie sogar.

Es ist wichtig das jetzt genauer anzuschauen und direkt auf meine Situation zu beziehen. Die Doppelsichtigkeit ist eine Panzerung und geht genau in die verkehrte Richtung des Herzens. Die Haltung des Herzens öffnet und ermöglicht, anstatt sich abzusichern und Kontrolle ausüben zu wollen. Die Doppelsichtigkeit ist nichts anderes als diese Sucht nach Sicherheit und Macht: Ich sichere mich ab, in dem ich mich von meinen Schwächen distanziere und beurteile. Dabei bilde ich mir ein, diese Schwäche unter Kontrolle zu haben. Aus dieser Position herunterzukommen ist nicht so einfach, weil sie leider nicht weh tut: Wenn man gut lügen kann, bildet man sich sogar noch ein, weise zu sein. Dagegen hilft nur Gehorsam, Demut und Mut: Gehorsam um auf die Hinweise zu hören, Demut sich anzunehmen, wie man ist und Mut um sich von falschen Vorstellungen zu verabschieden.

  1. 2009 Juni 27
    neuronallightning Permalink

    Öhm wo ziehst du genau den Unterschied zu Reflektion? Kann mir jetzt kaum vorstellen das du generell ein Reflektieren des Handelns und der Emotionen für falsch hälst, oder? Oder geht es dir um mehr Distanz bzw. vergessen von den Urteilen die du über dich gefällt und dich damit definiert hast?

Eine Antwort schreiben

Note: You can use basic XHTML in your comments. Your email address will never be published.

Diesen Kommentar-Feed via RSS abonnieren.