Jammern, Jammern

2009 Februar 23
by Daniela

Ich brauche mein Tagebuch nur ein bißchen „durchzublättern“ und es wird klar, daß das Jammern ziemlich oft vorkommt. Wenn die Sachen nicht laufen, wie ich sie gern hätte, dann fange ich mit der Jammerei an. Die Marotte habe ich bislang ziemlich gut von mir versteckt gehabt: Nicht die geringste Ahnung hatte ich, daß ich dazu neige. Für die Hinweise im Forum und das Gespräch mit GL, bin ich unendlich dankbar.

Es ist interessant jetzt zu beobachten, daß ich das Wehklagen immer schrecklich an anderen fand. Vor allem hier in D. kommt sowas ziemlich oft vor. Einer fängt sich über irgendetwas zu meckern, und schon springen die anderen ein und meckern mit. Es gibt wenigen Sachen, die mich so aufregen wie dieses Jammern, Jammern. Immer wenn ich mit klagenden Leuten zu tun habe, spüre ich eine unerklärliche innerliche Wut, die ich zwar versuche zu verdrängen, aber in mir leise kocht: „Hör jetzt auf mit den ganzen Quengeln und bewegt mal Deinen Arsch. Mensch, Du bist doch kein Opfer der Verhältnisse!“ Vielleicht wäre es mal interessant gewesen, die Worte nicht zurückzuhalten, sondern sie auszusprechen. Aber was mich hier interessiert: Genauso funktioniert Projektion. Projektion brennt immer auf den Nägeln. Wenn ich bei irgendeiner Situation „betroffener als normal“ werde (jeder kennt diese Betroffenheit und hat die Chance sie bei sich zu erkennen), dann ist es  zumindestens mal „suspekt“: warscheinlich wird irgendetwas nach Außen projiziert.

Der Jammerer in mir: Wovon lebt er eigentlich? Was verstärkt ihn und was nimmt seinen Boden weg? Erstmal ist es wirklich wichtig, daß ich mir darüber klar werde: Ich bin die, die den Jammerer in mir unterstützt: Durch Selbst-Vergessenheit, Abhängigkeit und Anlehnung. Der Peter-Pan-Komplex pflege ich selber, mit allen Mühen, ohne dabei zu bemerken, was für ein Spiel ich mit mir treibe.

Natürlich werde ich irgendwann völlig frustriert und traurig. Gibt es Mieseres und Resignierteres, als sich wie ein Opfer durch die Welt zu schleppen?! Wenn ich mich zu dieser Position des Mitläufers degradiere, dann verfalle ich sogar in einer Art Deprischiene. Dabei hilft nur die erfrischende Einsicht, daß ich das alles selbst erzeuge!! Es gibt da keine Welt, die ungerecht mit mir war, es gibt keine Regeln, die ich folgen muß, es gibt keine Bestrafung, wenn ich mache, was ich will.

Also, vieles dreht sich um den selben Punkt: mein Perfektionismus, die Suche nach Aufmerksamkeit und Bestätigung, die Schuldgefühle, die ständige Beschäftigung mit anderen, die Flucht vor meinen Pflichten, die Verwirrung, der Narzissmus. Das sind alle Symptomen eines verwöhntes kleines Mädchen, die immer versucht hat, anderen zu gefallen und darüberhinaus Todesangst vor Eigenständigkeit und harter Arbeit hat.

Das jetzt zu sehen zeigt mir, daß ich das nicht bin, sondern einfach blind jahrelang mich damit indentifizierte.

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