Nachtrag: Traum von Verfolgung
Den Traum bringe ich mit meinen „deutschen Eltern“, meine Familie und E. in Verbindung. Das sind Menschen, die ich schon lange als ‘Referenzen’ in meinem Leben hatte. Sie sind, genauso wie ich auch immer war, in das Bild von mir verliebt. Sie meinen, daß sie mich gern haben – aber sobald ich das Bild, das sie von mir haben, verrate, wehren sie sich und fühlen sich betrogen.
Gestern habe ich am Telefon mit meiner Familie geredet und es ist mir aufgefallen, daß das Gespräch hohl war. Wenn ich die Erwartungen, Projektionen und Zwänge wegnehme, bleibt nichts mehr übrig. Ich legte ab und wußte nicht mehr, warum wir geredet haben und worum es ging. Das einzige Wahre, das aus dem Gespräch kam, war meine Aussage, daß ich alleine zu Hause am „Heilig Abend“ war und das das Beste war, was ich für mich hätte machen können. Es war mein Geschenk für mich: Keine Erwartungen anderer erfüllen zu müßen. Die Reaktion darauf war, daß man versuchte möglichst schnell das Thema zu wechseln.
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Bzgl. meine „deutschen Eltern“ (bei denen habe ich ein Jahr gewohnt, als ich in M. studiert habe), habe ich schon lange die Befürchtung, daß es jetzt zu Situationen kommen wird, in denen Klärungsbedarf besteht. Ich werde sie enttäuschen, es gibt keinen Ausweg. Das tut mir weh. Sie sind schon über 70 und lieben das Bild so sehr, daß sie von mir haben.
Es war ursprünglich so ausgemacht, daß ich gestern zu denen komme, bei denen schlafe und zusammen essen gehe. Ich rief gestern an, um abzusagen. Es war unglaublich, wie viele Fragen und Manipulationsversuche enstanden sind, um meine Entscheidung doch zu verdrehen. „Ach, es geht Dir nicht gut… meine kleine, was ist los? Was hat das alles ausgelöst? Erzähl mir, ich möchte Dir helfen. Du kannst doch nicht da allein bleiben. Wenn Du nicht kommst, dann kommen wir zu Dir. Ich drücke Dich ganz fest.“ Ja, so fest, daß ich nicht mehr atmen kann. Ich sagte, daß ich eigentlich sehr froh darüber war, die Zeit für mich nehmen zu dürfen. Sie waren traurig, aber letztendlich haben sie verstanden, daß es jetzt wirklich nicht anders sein kann.
Es wird nie das gleiche sein. Wenn wir eine neue Austauschsplattform nicht finden, dann kann ich mit denen nicht mehr.
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E. ist warscheinlich das schwierigste Thema, das mir in den nächsten Tagen beschäftigen wird. Nicht er, sondern wie ich auf ihn reagiere. Es geht immer wieder um dasselbe: Lügen versus Ehrlichkeit. Über die Geschichte mit E. habe ich in September einiges geschrieben. Ich habe gerade die Einträge wieder gelesen und war erstaunt. Es ist mir wieder so verdammt peinlich!… Ich bin so abhängig! Ich nutze die Menschen aus! Es ekelt mich an!!! Ich versuche es aber, einfach weiter zu beschreiben.
Nach der Bauchspiegelung in B. war E. mein sicherer Hafen. Wie sollte es anders sein!? Unglaublich, überall wo ich hingehe, schaffe ich sowas. Auf meine eigene Beine, war ich bis heute noch nie. Zwei schwache Menschen treffen sich in der Welt und nennen das was passiert Liebe. So funktioniert das… Ich brauchte die Sicherheit von E. und er wollte die Frau schützen, die er liebt. In meinen Einträgen schreibe ich nur über Harmonie, Liebe und Offenheit… Sachen die ich nicht mal kenne! Wie kann ich so sehr die anderen Sachen ausblenden? Wie kann ich so unverschämt lügen!? Als ob ich keine dunklen Seiten hätte?? Pure Selbstdarstellung. So eitel bin ich. Wie GL sagt, nach außen hin wie ein Superstar, dahinter nur Hilflosigkeit und Hohlheit. Natürlich mache ich es nicht aus Bosheit. Ich mache es, weil ich schwach bin! Ich steigere in den Illusionen von anderen ein und fühle mich da sicher. Irgendwann wird es eng, dann flüchte ich! Ich flüchte und stehe nicht mal dazu. Ich erfinde dann tausenden Ausreden und fühle mich in meiner eigener Feigheit eingeent. Tja, so kann man das eigene Leben nur damit verschwenden, zu flüchten.
Das Ergebnis von so vielen Lügen: E. wurde nur noch verliebter. Ich war froh zurück nach D. zu kommen, um keine Erwartungen mehr erfüllen zu müßen. Das merkte ich aber leider erst später. Ein paar Woche nach meiner Rückkehr nach D., machte ich die Ich-vermisse-Dich-Masche noch mit. In der Zeit, kaufte E. Tickets, um mich zu besuchen. Zwischendurch redeten wir immer wieder am Telefon und er erzählte wie sehr er mich vermisst. Ich sagte nicht dasselbe, hatte aber die Kraft nicht, seine Illusionen wegzublasen. Ich war nicht ehrlich genug… die Falle habe ich für mich selber gebaut. Und jetzt? Übermorgen kommt er in M. an und ich hole ihn am Flughafen ab – mit allen seinen Koffern und einem LKW voller Erwartungen.
Wenn ich daran denke, wird es mir übel.
Ehrlichkeit ist wahrlich schwer. Doch wenn man sich die Konsequenzen der lüge anschaut, die am Ende noch schwerer wiegen, vielleicht wird dann die Ehrlichkeit immer leichter. Zu spät ist es nie …