Nachtrag: Abschied

2008 Dezember 25
by Daniela

Es gibt keinen Ausweg. Wenn ich nicht endlich mal ehrlicher schreibe, dann wird meinen Müllberg nur noch größer und mein Bewußtsein immer stummer. Meine ganze Regel interessieren mich jetzt null. Es ist mir egal, ob es jetzt peinlich und widersprüchlich wird. So bin ich halt: schwächer, abhängiger und eitler, als ich gern wäre. Was will ich mit den Auswegen und Verschönerungen? Für wen will ich mich hier präsentieren? Ich mache das für mich, oder für andere?? Wenn ich es nicht für mich mache, dann missbrauche ich die Schule und mache mich zum Narren. Jetzt bin ich endlich dran, mit allen meinen Schwächen und peinlichen Seiten!

Heute, nachdem ich entrümpelt habe, ging ich im Wald spazieren. Ich wußte nicht wohin mit der ganzen Energie. Als ich wieder nach Hause kam, merkte ich, daß mein Herz stark pochte. Unter der Dusche wurde ich unruhiger und unruhiger. Nicht mal das kalte Wasser konnte mich beruhigen. Meine Gedanken kehrten immer wieder an M. zurück. Meine Abhängigkeit war so offensichtlich, daß es unmöglich war, sie zu verstecken oder von ihr zu flüchten. Und genau das machte mich verrückt. „Wie so bin ich so schwach und abhänhig? Wie so hänge ich immer noch an M.? Nein! Ich will es nicht, ich will es nicht!“. Genau das ist die Grundhaltung, die mich dazu führt, meine eigene Gefühle zu beurteilen und fern von mir zu halten, als ob sie Fremdkörper wären. Genau das verursacht die Spaltung, die so oft bei mir das Thema ist. Genau deswegen, kann ich mich oft nicht fühlen. „Ich will frei sein! Ich will frei sein!“ Je mehr ich das will, desto gefangener werde ich. Meine unerwünschte Gedanken und Gefühlen, die nach meinem Filter nicht auftauchen dürfen, bekommen dann doppelt so viel Kraft. Es ist die größte Ironie und Weisheit des Lebens: egal mit was für ein Thema ich mich beschäftige, je mehr ich versuche, meine eigene Emotionen zu verleugnen, umso mehr entwickeln sie eine Art „Eigenleben“. Und dann ist das Schlachtfeld eröffnet. Ich gegen Ich.

Als ich nach der Dusche mich anzog, zitterte ich sogar, so erschöpft ich war. Ich bekam Angst vor meiner Verrücktheit und viele Selbstzweifel. Was ist hier bitte los? Wer bin ich? Hilfe! Ich weinte wieder, bis ich Selbstmitleid kriegte… und schon meldete sich die Stimme wieder: „Verdammt nochmal, warum kannst Du nicht endlich diese Geschichte einfach vergessen!? Laß mal los! Hör endlich damit auf, hör mal auf, Dich damit zu quälen! Es ist so furchtbar kitschig, was Du da machst! Du bist wie ein verwöhntes Kind“. Ja, es stimmt. Es ist aber nun so. Ich kann jetzt keinen Knopf bei mir drücken und einfach anders werden. Es geht letztendlich nur darum: sich selbst zu sein! Ich kann jetzt nicht handeln, als ob ich Unsicherheit und Angst nicht spüren würde. Es ist dumm, diese Schatten zu verleugnen. Damit kann ich wirklich krank werden. Ich muß durch. Ich stehe dazu.

Obwohl ich davor, vor Angst zitterte, war ich heute bei M. Ich wollte mein Herz öffnen, ohne Sicherheitsbremsen. Von ihm erwartete ich nichts. Was mich dazu bewegte, war das Bedürfnis, mich selbst zu zeigen, so wie ich bin, so ehrlich wie möglich, ohne Spaltungen. (Das Tagebuch ist eigentlich genau dafür da, aber bis jetzt ist es mir nicht gelungen, ehrlich beim Schreiben zu sein. Sobald ich vor diesem Computer sitze, schaltet meinen Verstand ein und das Herz hat keine Chance.)

Es war seltsam, wie schwer es mir am Anfang fiel, ehrlich zu ihm zu sein. Ich könnte sogar mit einem fremden Menschen offener reden, als mit ihm. Als ich dort vor ihm sitzte, konnte ich nur sagen, wie peinlich mir das Ganze war und wie gern ich stärker wäre, als ich eigentlich bin. Er fragte mich warum. „Was ist daran so peinlich? Wo ist der Punkt, der schmerzt?“ Langsam fiel eine Schicht von meiner Maske ab. Der Punkt, der schmerzt ist, daß ich freier und reifer wäre, als ich tatsächlich bin. Es kam noch raus, daß ich sogar gern von ihm hören würde, daß er mich nicht mehr mag und wir nie wieder zusammen sein werden, weil es dann leichter für mich wäre, mich emotionell von ihm zu trennen. (Daß sowas nur ein Verstandtrick ist, erkannte ich sobald ich den Satz zuende laberte.) Er hat mir das Gefallen natürlich nicht getan. Die Verantwortung für meine  Sachen kann ich nicht immer auf anderen projizieren.

Gestern schrieb ich: „Es gibt nur 2 Wege: Loslassen oder weiter mit meinen eigenen Gespenster kämpfen.“ Es stimmt nicht. Es ist eine Illusion zu meinen, daß ich die Wahl hätte. Die Wahl habe ich nicht. Die einzige Wahl, die ich habe ist: meine Gefühle anzunehmen oder sie zu verleugnen. Steuerbar sind sie natürlich nicht.

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