Kann man lernen, neu zu sehen?
Als ich gestern am See angekommen war, war ich froh zu sehen, daß dort nur einen alten Mann, sein Fahrrad, die Natur und die Stille waren. Es war windig und bewölkt. Ich hatte die nötige Ruhe, an O.s Buch zu lesen. Ich glaube, daß ich schon lange kein Buch mit so eine Konzentration gelesen habe. In den ersten 60 Seiten, mehrere Gespräche zwischen G. und O. haben meine Aufmerksamkeit besonders aufgerufen.
„Derjenige, der wissen will, muß die ersten Anstrengungen selbst machen, um die Quelle des Wissens zu finden und sich ihr zu nähern, indem er aus der Hilfe und den Hinweisen Nutzen zieht, die allen gegeben werden, die aber die Menschen in der Regel weder bemerken noch erkennen wollen.“ (S.55)
Was in der Schule potenziel gelernt werden kann, kann ich mit nichts vergleichen, was ich bis heute kannte. Es ist für mich alles neu. Um Deutsch oder Geige spielen zu lernen, muß man nichts aufgeben. Wenn man ordentlich übt, schafft man es irgendwann. Manche werden es sehr gut können, andere weniger gut. Aber man muß nicht die eigene Glauben, Konditionierungen, Konzepte und das ganze konstruirte Überlebenssystem in Frage stellen. Andererseits, mit der Schule habe ich den Eindruck daß nichts getan werden kann, oder, besser gesagt, nichts geschehen wird, wenn man mit den gewohnten Augen die Sachen betrachtet.
Kann man lernen, neu zu sehen ? Oder wird irgendwann geschehen, daß man anders sieht?